Page 6 - Entlebucher Brattig 2011
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               Vorwort





















                                          Liebe Leserinnen, liebe Leser der Entlebucher Brattig 2011

                                          Wenn ich, wie jetzt, etwas schreiben soll, was grundsätzlicher Natur ist (und ein Vor-
                                          wort ist dies meiner Meinung nach), so kann ich es nicht einfach «aus dem Ärmel
                                          schütteln». Oft beginne ich dann damit, dass ich in den verschiedenen Duden (Recht-
                                          schreibe-Duden, Herkunftswörter-Duden, Wörterbuch der sinn- und sachverwandten
                                          Wörter) nachschlage.

                                          Das Thema der Brattig 2011 ist also «Aufbauen»: Hier einen Teil der Ausbeute, die mir
                                          die genannten Wörterbücher geliefert haben: Aufbauen ist gleichbedeutend mit för-
                                          dern; man kann jemanden oder etwas aufbauen, zum Beispiel Menschen, Athleten,
                                          Gebäude, Strukturen. Gedanken, Ideen, Gefühle, Unterstützung können aufbauend
                                          sein. Man spricht von Aufbauarbeit, Wiederaufbau…
                                          Noch stehe ich heute, am 16. Oktober 2010, im Banne des Geschehens im Gotthard:
                                          (Bau)Werke werden aufgebaut! Es ist aber doch so (und das hat man hautnah miterle-
                                          ben können), dass Aufbau unweigerlich mit Abbau verbunden ist. So haben wir es im
                                          Biologieunterricht gelernt: Zellen werden aufgebaut, gleichzeitig beginnt aber auch
                                          schon wieder ihr Abbau. Und so ist es auch mit Gebirgen: das Gotthardmassiv ist in
                                          Jahrmillionen aufgebaut worden; aber sofort begann auch der Abbau durch Kräfte,
                                          die –  i m  G  egensatz zu dem Ereignis, das ich einleitend erwähnt habe –  g anz und gar
                                          ausserhalb des menschlichen Einflusses liegen. In diesen Tagen wurde es uns vor-
                                          geführt: Manchmal nimmt der Mensch Einfluss und baut ab, nicht nur, w  as in Erd-
                                          zeitaltern durch die Natur aufgebaut wurde, sondern auch, was er selber in –  v erglichen
                                          mit den Erdzeitaltern –  A ugenblicken aufgebaut hat.
                                          Die Frage ist nun: Ist Aufbau nur positiv und Abbau nur negativ? Da bin ich mir nicht
                                          so sicher. T atsache ist wohl: das eine ist ohne das andere nicht denkbar. A us dem Alten
                                          entsteht Neues; Laub wird abgebaut (die Brattig erscheint immer im Spätherbst, also
                                          in der Zeit des Abbaus), dann folgt die Zeit der Ruhe; und immer erleben wir wieder,
                                          wie aus dem abgebauten Material Neues entsteht. Und so schliesse ich daraus:
                                          Abbau ist ohne Aufbau nicht möglich; und auch die Umkehrung wird wohl stimmen!



                                          Ihre Brattigkommission
                                          mit Martha Wigger, B rattigredaktorin
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